BNE-Journal: Gespräch mit Rainer Wemcken

BNE-Journal

Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"



Gespräch mit Rainer Wemcken

Die Fragen stellte die Redaktion

BildanfangPortrait von Rainer WemckenBildende

Redaktion: Herr Wemcken, Sie sind Produzent von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" – der erfolgreichsten deutschen Serie ihres Genres. Was zeichnet eine erfolgreiche Daily Soap aus?

Wemcken: Das Geheimnis einer erfolgreichen Soap liegt in den Geschichten: große Gefühle,  Freundschaften, Familienleben. Geschichten, in denen sich die Zuschauer wiederfinden, wo sie mitfiebern und mitfühlen können. Ein lang laufendes Format muss sich aber auch immer wieder erneuern können, ohne dass die Fans durch Veränderungen vor den Kopf gestoßen werden. Es ist so wie bei einem interessanten Charakter auch: Er bleibt sich einerseits immer treu, überrascht aber auch durch seine Wandlungsfähigkeit. Nicht zu vergessen sind aber auch unsere großartigen Produktionsteams, die die Geschichten optimal umsetzen.

Redaktion: Welche Überlegungen spielen bei der thematischen Ausrichtung und inhaltlichen Gestaltung einer Serie eine Rolle?

Wemcken: Das ist von Serie zu Serie unterschiedlich, aber es gibt durchaus Schnittmengen. Es dreht sich immer um eine Gruppe von Menschen, deren kleine und große Dramen im Zentrum stehen. Es wird geliebt, gehasst, getrauert – und das alles auf engstem Raum.
Wichtig ist uns außerdem, dass das Format zeitgemäß ist und aktuelle Themen und Problematiken aufnimmt. Wir versuchen aber nicht nur gegenwärtige Strömungen widerzuspiegeln, sondern auch ganz eigene Trends zu setzen. Alles verändert sich rasend schnell, besonders durch den Einfluss der neuen Medien. Das bedeutet für uns, dass wir immer ganz vorne mit dabei sein müssen. Nur so bleiben unsere Formate für die Zuschauer auch über einen langen Zeitraum interessant und abwechslungsreich.

Redaktion: Mit Ihrer Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (GZSZ) erreichen Sie in Deutschland täglich Millionen von Zuschauern. Vor allem junge Menschen in der Altersgruppe der 14- bis 49-jährigen gehören zu Ihrer Hauptzielgruppe. Kann Ihrer Meinung nach eine Serie wie GZSZ neben dem Unterhaltungswert auch einen Bildungsauftrag erfüllen?

Wemcken: Ja, durchaus. Gerade weil die Schauspieler bzw. die Rollen, die sie verkörpern, für viele junge Zuschauer eine Vorbildfunktion haben, liegt es nahe, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Deshalb ermuntern und unterstützen wir unsere Darsteller auch, wenn es um soziale Projekte oder Charity-Aktionen geht. Was den Einbau von gesellschaftsrelevanten Themen in unsere Serien betrifft, sind wir uns selbstverständlich den Möglichkeiten, aber vor allem auch unserer Verantwortung bewusst. Grundy UFA hat deshalb eigens einen Wertekatalog entwickelt, der Grundlage für unsere Geschichten ist. Da geht es zum Beispiel um Ehrlichkeit, Treue und Freundschaft, aber auch um Mut und Zivilcourage. 

In unserer  Serie "Verbotene Liebe" gibt es zum Beispiel seit einiger Zeit die Geschichte des homosexuellen Pärchens Oliver und Christian. Hier gehen wir bewusst ein Thema an, dass für viele Menschen immer noch ein Tabu ist. Wie groß der Wunsch nach gesellschaftlicher Akzeptanz allerdings tatsächlich ist, zeigen uns die vielen Medienanfragen und auch Fanzuschriften aus aller Welt. Man darf es mit der Wertevermittlung aber auch nicht übertreiben. Die Fans merken ganz schnell, wenn es zu lehrerhaft und damit unnatürlich und unglaubwürdig wird.

Redaktion: Angesichts des Klimawandels, des demografischen Wandels und der Ressourcenverknappung weltweit steigt die Bedeutung von Nachhaltigkeit und nachhaltigem Handeln. Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für Sie?

Wemcken: Ich selbst habe zwei Kinder und  wir achten zu Hause darauf, ihnen nachhaltiges Handeln zu vermitteln und gleichzeitig auch ein Vorbild zu sein. Das fängt bei der Mülltrennung an und hört beim Energiesparen auf.

Redaktion: Die genannten Themen beschäftigen immer mehr Menschen. Sehen Sie Möglichkeiten, ein komplexes Thema wie Nachhaltigkeit in eine Daily Soap zu integrieren?

Wemcken: Unsere Autoren arbeiten häufig mit Institutionen zusammen, die einen gesellschaftsrelevanten Auftrag haben. Kürzlich hatte unsere Produktion "Gute Zeiten –Schlechte Zeiten" eine umfangreiche Kooperation mit dem Bundesgesundheitsministerium. Dabei ging es um die Drogensucht der Figur Emily Höfer. Ich finde, dass Jugendliche so früh wie möglich für bestimmte Problematiken sensibilisiert werden sollten –  aber wie gesagt: Der moralische Zeigefinger darf nicht zu hoch erhoben werden, sonst interessiert es die Zielgruppe nicht.

Redaktion: In den Medien wird derzeit viel über LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) geredet – Menschen, die bewusst nachhaltig leben und konsumieren und damit auch eine höhere Lebensqualität verbinden. Inwiefern wäre ein LOHAS eine mögliche Figur für Daily Soaps, durch die das Thema Nachhaltigkeit verkörpert werden könnte?

Wemcken: Das Prinzip LOHAS in einem Charakter widerzuspiegeln wäre schon eine interessante Aufgabe und deshalb durchaus denkbar. Allerdings besteht die Gefahr, dass der LOHAS nur in seinem Lifestyle verharrt und zu eindimensional bleibt. Das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum sollte eher eine grundsätzliche Lebenseinstellung der Figur darstellen, um damit am Ende auch überzeugend zu wirken.  Mir ist wichtig, dass ich bei allen Dingen, die ich tue, meine Glaubwürdigkeit behalte. Viele schreiben sich groß auf die Fahnen, was sie für die Umwelt tun, nur weil es momentan schick ist. Viel wichtiger ist da doch eher eine langfristige Bewusstseinsbildung. Wir sind alle verantwortlich dafür, wie es mit unserem Planeten weitergeht – gerne möchten wir unseren Beitrag leisten.


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