BNE-Journal: Gespräch mit Volker Angres

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BNE-Journal

Online-Magazin "Bildung für nachhaltige Entwicklung"




Gespräch mit Volker Angres

Die Fragen stellte die Redaktion

BildanfangPortrait von Volker AngresBildende

Redaktion: Herr Angres, als Leiter der ZDF-Umweltredaktion und Moderator der Sendung ZDF.umwelt kommunizieren sie wöchentlich Nachhaltigkeitsthemen wie Umweltschutz und Umgang mit natürlichen Ressourcen. Wie bringen Sie in Ihrer Sendung dem Publikum eine so komplexe Angelegenheit wie Nachhaltigkeit näher?

Angres: Der Begriff "Nachhaltigkeit" ist die ungenügende Übersetzung eines akademischen Begriffs aus dem Englischen. Ungünstigerweise wird in der deutschen Sprache "nachhaltig" fast immer mit "dauerhaft" gleichgesetzt. Über den Begriff kommen wir medial nicht weiter. Also rücken wir Menschen in den Vordergrund, die für sich, das heißt, für ihren ganz eigenen Einflussbereich, Strategien entwickelt haben, um "Nachhaltigkeit" zu leben. Das können z.B. unsere "Energiesparmeister" sein: wer am sorgsamsten mit Energie umgeht, bekommt einen Preis. [Der "Energiesparmeister" ist ein gemeinsamer Wettbewerb von ZDF.umwelt und der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online – Anm. der Redaktion] Das können neugierige Auszubildende sein, die in ihrem Betrieb feststellen, wie Rohstoffe und Energie eingespart werden können oder das können Arbeitskollegen sein, die ein ausgeklügeltes Mitfahr-System betreiben, internetgestützt und jederzeit verfügbar.

Redaktion: Inwiefern spielt der Unterhaltungsfaktor bei der redaktionellen Aufbereitung der Inhalte eine Rolle?

Angres: Auch Informationsbeiträge brauchen einen gewissen Unterhaltungswert, der sich allerdings anders definiert als in einer Comedy-Show. Einen Unterhaltungswert sehen wir beispielsweise schon darin, den Zuschauern etwas Neues zu zeigen, etwa, dass Elektroautos jetzt marktreif sind und demnächst zu kaufen sein werden. Auch emotionale Programmbestandteile haben Unterhaltungswert, da vertrauen wir z.B. auf die Phänomene der Natur. So lassen sich etwa zum Thema Bionik spannende, informative und eben auch unterhaltende Beiträge herstellen.

Redaktion: Sie haben einmal etwas zugespitzt gesagt: "Alles was wir [als Akteure der Bildung für nachhaltige Entwicklung] wertschätzen, ist für die Kommunikation nicht geeignet." Was genau meinen Sie damit? Wie können Ihrer Meinung nach die Ziele der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" kommuniziert werden?

Angres: Viele Bildungsakteure schätzen den akademischen Disput. Da werden Theorien aufgestellt, erforscht, kontrovers diskutiert, überprüft und – verworfen. Denn in der Zwischenzeit, die durchaus in Jahren zu bemessen ist, ist das richtige Leben weitergegangen. Komischerweise warten junge Leute nicht darauf, bis Bildungspädagogen und Bildungspolitiker irgendwelche Konzepte beschlossen haben. Junge Menschen entwickeln sich einfach, und –so scheint es – von Generation zu Generation immer schneller. Stichwort: Internet. Die großen Ziele der Bildungsdekade eignen sich wenig für eine Kommunikation, denn für die allermeisten Menschen sind diese Ziele einfach zu groß, zu unerreichbar, gehören nicht ins Radar ihrer Alltagswelt. Da sind wir wieder bei den Beispielen, die ich vorhin schon erwähnt habe. Und noch etwas kommt hinzu: Ich glaube, wir müssen junge Menschen viel ernster nehmen und viel direkter hinhören und hinsehen, was sie wirklich bewegt. Und davon dann anderen erzählen, oder noch besser: die jungen Leute selber erzählen lassen und ihnen dafür die Gelegenheit geben.

Redaktion: In welchem Rahmen kann Bildung für nachhaltige Entwicklung ein Thema fürs Fernsehen werden?

Angres: Einen Rahmen im Sinne von "Format" gibt es dafür nicht und braucht es auch nicht. Im Prinzip könnten sich alle Informationssendungen das Thema, zerlegt in die jeweiligen passenden Teilaspekte, zu Eigen machen. Allerdings fehlt es hier oft an Kenntnissen bei den Programmmachern. Noch lange nicht ist bei allen durchgedrungen, dass es überhaupt eine Bildungsdekade gibt – und das nach fünf Jahren Laufzeit! Hier allerdings muss ich anmerken, dass eine gute, dauerhafte Öffentlichkeitsarbeit, begleitend zur Dekade, bis heute nicht existiert. Angeblich waren dafür keine finanziellen Mittel vorhanden. Außerdem leben die führenden Bildungspolitiker die Dekade nicht annähernd so, wie es erforderlich wäre, um journalistische Neugier zu wecken.

Redaktion: Wie könnte man denn Programmmacher für die UN-Dekade interessieren?

Angres: Indem die Dekaden-Lenker mehr allgemeine Öffentlichkeitsarbeit machen: Politiker animieren, zu einzelnen Themen der Dekade Veranstaltungen stattfinden zu lassen und Themen bzw. die Projekte der Dekade so sortieren, dass sie besser in die entsprechenden Ressorts der einzelnen Medien passen. So könnten sich beispielsweise auch für die Lokalberichterstattung Anhaltspunkte ergeben und nicht nur für pädagogische Fachzeitschriften.


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